Sachinformation 115

 

Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft 
und ländlichen Entwicklung


Deutschlands Landwirtschaft und die Agenda 21 - Dr. Hans Peter Stamp

Begriff Nachhaltigkeit

Der Wirtschaftsbereich Landwirtschaft als Modellfall für Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat in Mitteleuropa eine lange Tradition

"In Mitteleuropa hat die Nachhaltigkeit eine lange Tradition. Bei der Wiederaufforstung der Mittelgebirge im 19. Jahrhundert folgte man diesem Prinzip ebenso wie bei der Ertragssteigerung der Agrarflächen seit etwa 1820. Die moderne, für ökologische Fragen sensibilisierte Land- und Forstwirtschaft in Deutschland bietet die Gewähr dafür, dass Nachhaltigkeit das erste Gebot bleiben wird. Hier bin ich aus guten Gründen optimistisch." Dies hat der Freiburger Biologe Prof. Dr. Hans Mohr gesagt, der für die Durchsetzung der Prinzipien einer nachhaltigen Nutzung insbesondere in den Ländern der Dritten Welt als ausgesprochener Pessimist gilt. Für die mitteleuropäische bzw. deutsche Art der Land- und Forstwirtschaft hingegen äußert er diese optimistische Einschätzung. Es ist ein besonderes Anliegen des bäuerlichen Berufsstandes dies durch das nachfolgende Papier näher zu erläutern.

Tradition

Artenvielfalt und Nachhaltigkeit immer identisch?
Vielfach wird Nachhaltigkeit mit Artenvielfalt gleichgesetzt. Dies kann richtig sein, muss es aber nicht. Wenn Artenvielfalt beispielsweise dadurch entstanden ist, dass in früheren Jahrhunderten Raubbau an der Bodenfruchtbarkeit betrieben wurde und durch die damit einhergehende Aushagerung Magerstandorte entstanden, ist das mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit kaum in Einklang zu bringen. Eine Erhaltung oder Schaffung solcher Standorte kann von der Gesellschaft als richtiges ökologisches Ziel verstanden werden, mit Nachhaltigkeit vereinbar wird sie dadurch nicht. Eine Gesellschaft kann dieses Ziel auch verfolgen, indem sie Regeln über Ordnungsmäßigkeit des Umgangs der Natürgütern aufstellt. In einem solchen Fall kann es aber durchaus sein, dass Ordnungsmäßigkeit und Nachhaltigkeit nicht mehr dasselbe sind.

Das gleiche gilt für eine Reihe weiterer gesellschaftlicher Ziele, die in Deutschland zwar ihre Berechtigung haben, aber außerhalb der Ziele der Agenda 21 liegen oder der Nachhaltigkeit liegen können.

Artenvielfalt

Verschiedene Definitionen von Nachhaltigkeit
  1. Agenda 21

Die Definition der Nachhaltigkeit in der Agenda 21 ist dort an vielen Stellen mit immer neuen Aspekten gegeben. Am deutlichsten wird sie in der Präambel, die unten in anderem Zusammenhang ausführlicher zitiert ist. Der Kernsatz ist: "Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere Beachtung kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte gedeihlichere Zukunft zu gewährleisten."

  1. Brundtlandbericht
Mit der Definition der Agenda 21 gut vereinbar ist die Definition des Berichtes der Brundtland-Kommission "Our Common Future" 1987:

"Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu gefährden, dass zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können".

  1. Entstanden in der Forstwirtschaft
Der Begriff Nachhaltigkeit ist keineswegs neu. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde er in der deutschen Forstwirtschaft als Antwort auf den bis dahin erfolgten Raubbau an den Wäldern entwickelt. Eine auf langfristige Ressourcenerhaltung angelegte Forstwirtschaft wurde zur rechtlichen und sozialen Norm.
  1. Missbräuchliche Definitionen

Vielfach werden Definitionen aus der reinen Lehre des Artenschutzes auf den für die gesamte Erde und ihre Zukunft im 21. Jahrhundert anzulegenden ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbegriff übertragen. Diese Handhabung ist einseitig und damit missbräuchlich. Für die Nachhaltigkeit im 21. Jahrhundert spielt die biologische Vielfalt zwar eine bedeutende Rolle, sie ist aber nur ein Teil des Ganzen.

Dasselbe gilt für die Gleichsetzung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit, wie sie gelegentlich anzutreffen ist. Für eine ganzheitliche Nachhaltigkeit sind Aspekte des Umweltschutzes zwar ebenfalls sehr wichtig. Aber auch hier ist eine Gleichsetzung einseitig und damit missbräuchlich. Umweltschutz ist zwar meist eine wichtige Voraussetzung für Nachhaltigkeit, weil Umweltzerstörung Nachhaltigkeit beeinträchtigt; Nachhaltigkeit als Gesamtkomplex geht aber über Umweltschutz weit hinaus.

weitere Definitionen

Die übrigen Begriffe

Wie an mehreren Beispielen darzulegen sein wird, ist die gute fachliche Praxis ein Begriff mit dynamischem Inhalt. Die ordnungsgemäße Landwirtschaft beachtet im Einklang mit den Gesetzen die vorhandenen Rechtsgrundlagen, in welchen der Begriff gute fachliche Praxis (synonym: gute landwirtschaftliche Praxis) als handwerklich saubere Arbeit in der Landwirtschaft festgeschrieben ist. Die gute fachliche Praxis ist als dynamische Formulierung ein unbestimmter Rechtsbegriff. Solche Begriffe verschließen sich einer abschließenden allgemeinverbindlichen inhaltlichen Bestimmung (Legaldefinition), weil sie einer Vielzahl veränderlicher Größen Rechnung tragen müssten.

Schon aus diesem Grund ist die zu beobachtende Tendenz abzulehnen, den Begriff der guten fachlichen Praxis näher zu regeln und zu kodifizieren und ihn damit zu versteinern. Diese Ablehnung lässt sich auch schon aus dem gesetzlichen Begriff "gute fachliche Praxis" ableiten. Indem der Gesetzgeber auf den Begriff der Praxis abstellt, macht er gerade deutlich, dass es ihm nicht darum geht, die Beachtung einer Summe geschriebener Regeln anzuordnen. Er ist vielmehr bereit, die vorhandene fachliche Praxis anzuerkennen, soweit sie gut ist, d.h. dem durch Wissenschaft, Beratung und praktische Anwendung gebildeten Wissens- und Praxisstand entspricht. Eine Kodifizierung in untergesetzlichen Regelwerken oder in Verwaltungsvorschriften würde dem nicht entsprechen und die notwendige Dynamik nicht bieten können.

In der in Deutschland geführten Diskussion werden darüber hinaus Begriffe wie konventionelle, integrierte Landwirtschaft oder ökologischer Landbau verwendet. Als Bezeichnungen einzelner Produktionsrichtungen der Landwirtschaft können sie jedoch nicht zur Unterscheidung in "nachhaltig" oder "nicht nachhaltig" bzw. "gute fachliche Praxis" oder nicht etc. verwendet werden

übrige Begriffe

 
© Walter Janka im Auftrag der DSD AG 2001