5 Agenda 21, Modul 1: Nachhaltige Landwirtschaft
Sachinformation Nr. 121

 

Förderung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft 
sowie ländlichen Entwicklung

Das forstliche Prinzip der Nachhaltigkeit

Ein neuer Begriff - und doch schon lange bekannt! 

In der internationalen Umweltdiskussion der letzten Jahre avancierte der Begriff "Nachhaltigkeit" zum beinahe magischen Zauberwort. Mit der 2. UNO-Umwelt- konferenz 1992 in Rio de Janeiro und der dort verabschiedeten Agenda 21hat sich der Begriff der Nachhaltigkeit (sustainable development) als scheinbar moderner Begriff des Umweltmanagements etabliert, wenn auch eine große Zahl an unterschiedlichen Definitionen des Begriffes Nachhaltigkeit die Verständigung zum Thema nicht gerade erleichtert.

Der Begriff Nachhaltigkeit und die Idee hinter ihm ist jedoch keinesfalls so neu, wie uns die Umweltdiskussion zu suggerieren scheint. Bereits die Indianer haben die Nachhaltigkeit als Weisheit vertreten. Vom Stamm der Irokesen wird folgender Spruch übermittelt: "Bedenke bei deinem Handeln, welche Folgen dein Tun für die 3. und 5. Generation nach dir haben wird."  Da die Indianer immer mit der Natur lebten, waren sie immer auch bedacht, sie zu schonen und für ihre Nachkommen zu erhalten. 

Dieses Prinzip - schonend mit der Natur umzugehen, so dass die natürliche Fruchtbarkeit erhalten bleibt  - war aufgrund mangelnder Möglichkeiten Ernteerträge durch Mineraldüngung künstlich zu steigern oder den Aufwuchs mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu schützen lange Jahre das Grundprinzip der Landwirtschaft. Trotz vielerlei chemischer und technischer Möglichkeiten steht die Erhaltung der Natur auch heutzutage wieder zunehmend im Vordergrund, da man erkennt, dass die ökologischen Zusammenhänge komplexer sind, als dies im 19. bzw.  Anfang des 20. Jahrhunderts angenommen wurde (Justus von Liebig u.a.)

Nähere Infos zur negativen Auswirkung chemisch-synthetischer Düngung z.B. unter
http://www.naturkost.de/info/i1015.htm

Sustainable development

Nachhaltige Waldnutzung schon seit 200 Jahren

Betrachtet man die Entwicklung der deutsche Forstwirtschaft in den vergangenen Jahrhunderten, so begegnet uns die nachhaltige Bewirtschaftung dort bereits seit mindestens 1713, als der sächsische Berghauptmann Hanns von Carlowitz (1645 bis 1714) erstmals von nachhaltiger Waldnutzung sprach. 1795 nahm Georg Ludwig Hartig (1764 bis 1837) dieses Prinzip der Nachhaltigkeit in seine "Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste" auf.

Er empfahl die Nutzung des Waldes mit seinen Holzvorräten "zwar so hoch als möglich", doch verwies er an gleicher Stelle, bei der Nutzung darauf zu achten, "dass die Nachkommenschaft eben so viel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende zueignet." Aus seiner Sicht "lässt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe auf den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist." Gemeinsam mit anderen Forstmännern wie Heinrich Cotta (1763 bis 1844), Gottlob König ( 1779 bis 1849) und Wilhelm Leopold Pfeil (1783 bis 1859) begann er, die Forstwirtschaft auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. In dieser Zeit wurden die Wälder erstmals vermessen und Übersichtskarten erstellt. 1763 erschien die erste forstliche Fachzeitschrift.

 Anfänge

Dieser von den genannten Forstleuten geprägte Begriff Nachhaltigkeit bedeutete zunächst einmal im Wesentlichen, nicht mehr Holz zu ernten, als im gleichen Zeitraum nachwächst.

Eine Eichelsaat in der 2. Hälfte des 18. Jhdt

Bedeutung

Naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft in Deutschland als Garant für ökologisch intakte Wälder

In der modernen Waldwirtschaft wird der Begriff wesentlich weiter gefasst. Die inhaltlichen Schwerpunkte der forstlichen Nachhaltigkeitsdefinition veränderten sich von den Aspekten der Holzproduktion auf wesentlich umfassender betrachteten Wirkungen und Leistungen des Waldes, das Ökosystem Wald und dessen Funktionsfähigkeit trat in den Mittelpunkt des Begriffsverständnisses. 

Die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa formulierte in ihrer Resolution H1:  "Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Art und Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhält sowie deren Potential, jetzt und in der Zukunft die entsprechenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen." 

Selbstverständlich schlug sich das erweiterte Nachhaltigkeitsverständnis auch in Bundes- und Landesgesetzten sowie im Nationalen Forstprogramm Deutschlands nieder. Als Beispiel soll das Landeswaldgesetz des Bundeslandes Sachsen-Anhalt dienen. Es formuliert im §1, "den Wald wegen seines wirtschaftlichen Nutzens und wegen seiner Bedeutung für die Umwelt, insbesondere für die dauernde Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, das Klima, den Wasserhaushalt, die Reinhaltung der Luft, die Bodenfruchtbarkeit, das Landschaftsbild, die Agrar- und Infrastruktur und die Erholung der Bevölkerung zu erhalten, erforderlichenfalls zu mehren und seine ordnungsgemäße Bewirtschaftung zu sichern."

Moderne Auslegung

Die Waldwirtschaft als Wegbereiter

Es lässt sich sicherlich ohne Übertreibung feststellen, dass das bereits vor gut 200 Jahren in der Waldwirtschaft eingeführte Prinzip der Nachhaltigkeit, würde man es auf andere wirtschaftlich und gesellschaftliche Felder übertragen, viele der weltweiten Probleme sowohl ökonomischer als auch ökologischer Natur einer Lösung zuführen könnte.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Lexikon unter dem Stichwort "Nachhaltigkeit"

Fazit

Literatur:

- Waldfacetten, Begegnungen mit dem Wald, Hrsg. Deutscher Forstverein,
  DRW-Verlag, 1998

- Nationales Forstprogramm Deutschland, BML, 2000

- Landeswaldgesetz des Landes Sachsen-Anhalt

Literatur

 
© Uwe Pannecke im Auftrag der DSD AG 2001