Sachinformation Nr. 123

 

Förderung einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft 
sowie ländlichen Entwicklung

Nachhaltigkeit
in verschiedenen Beispielen

Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit ?

Die Jagd im Mittelalter - Vom Jäger zur sozialen Gruppe
von Klaus Maylein (1)

"Da das Töten bestimmter Wildtiere für das eigene Überleben Voraussetzung war, gegen die Tiere an sich jedoch keine Aggressionen existent waren, wurde der Tot des Tieres letztendlich bedauert. LINDNER (2) stellt dieses Verhältnis zwischen Jäger und Wildtier über den Bezug des Tötens und der anschließenden Jagdopfer, dem Jagdzauber und der Jagdkunst (Höhlenmalerei) heraus, die letztendlich zur Besänftigung der Geister der wilden Tiere dienten, aber auch dem Dank des vergangenen und dem Erbitten zukünftigen Jagdglücks gegolten haben. Wenn man so will, hat die Jagdethik bereits hier ihren Ursprung. Das Töten musste aus einem vernünftigen Grund geschehen und die Jagd selbst war mit dem Erreichen des Ziels, dem überlebensnotwendigen Ertrag, beendet.

Dadurch wird die Beziehung der frühen Jäger- und Sammler-Sozietäten zu ihren Beutetieren deutlich, die darüber hinaus auch noch bei rezenten Naturvölkern diese Ausprägung zeigt. Es ist eine Beziehung die getragen wird von dem Wissen, dass der Mensch von den Wildtieren abhängig ist, und diese Abhängigkeit nur streng einseitig ausgerichtet ist. Dieses Wissen findet auch heute noch seine Anwendung im Prinzip der Nachhaltigkeit der jagdlichen Nutzung von wildlebenden Tieren, auch wenn sich die genannte Abhängigkeit längst ins Gegenteil gewandelt hat. Die Frage der Ausrottung einer Tierart wurde von einer unmittelbar existentiellen zu einer unmittelbar ethischen und damit offensichtlich vertretbaren Frage im wahrsten Sinne des Wortes denaturiert. Der moderne Mensch, der seit etwa 40.000 oder 50.000 Jahren existiert, jagt seit etwa 8.000 bis 12.000 Jahren nicht mehr aus Überlebensnotwendigkeit, sondern aus Vergnügen, Körperertüchtigung oder anderen Gründen, nachdem er das Stadium des Jägers und Sammlers durch die Sesshaftigkeit und deren rationale Nahrungsmittelproduktion überwand"

Die Jagdgeschichte unter soziologischer Betrachtung

Naturnaher Wald – Ökologische Jagd (3)

"Aus vielen Gründen erhebt die Forstwirtschaft heute die Forderung nach einer anderen Form der Waldbewirtschaftung. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch in ökologischer Hinsicht müssen wir vom Altersklassenwald und von forstlichen Monokulturen wegkommen. Dem naturnahen, vielstufigen Mischwald gehört die Zukunft; gerade im bäuerlichen Kleinwald.
In gleicher Weise hat die Jagd in Zukunft nur dann eine Chance, wenn sie ökologisch ausgerichtet ist. Nicht die Güte erbeuteter Trophäen und die Länge der Jagdstrecke können Zeichen einer erfolgreichen Jagd sein, sondern der Zustand des Waldes und die Artenvielfalt unserer natürlichen Pflanzen- und Tierwelt."

Ökologische Jagd

Jagd und Nachhaltigkeit - Zusammenfassung (4)

"Die Überprüfung, ob jagdliche Eingriffe in Ökosysteme als nachhaltig zu bezeichnen sind, lässt sich in zwei Schwerpunktbereiche aufgliedern. Zum einen in die Wald-Wildproblematik, zum anderen in Artenschutzaspekte. Im Bereich der Wald-Wildproblematik kann bei Berücksichtigung forstlicher Kriterien vielerorts nicht von einer nachhaltigen jagdlichen Nutzung gesprochen werden. Gesamtheitliche Lösungen werden jedoch zunehmend angestrebt, wobei derzeit die Entwicklung hin zur wildökologischen Raumplanung führt, welche auf breiter Ebene alle Interessensgruppen miteinbezieht und zusätzlich zur Wildschadensvermeidung die Lebensraumerhaltung anstrebt."

Jagd und
Nachhaltigkeit

Literatur und Internet-Quellenangabe

(1) Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit ?
      von Klaus Maylein in Jagen-online: 
      http://www.jagen-online.de/archiv/sozio.htm

(2) Kurt Lindner, Die Jagd der Vorzeit, Walter de Gruyter Verlag, 1937

(3) Ökobauernjagd - Verein  O.Ö. Jagdeigentümer; A-4752 Riedau
      http://oekobauer.oejv.org 

(4) Zeiler H.: JAGD UND NACHHALTIGKEIT. (Hunting and Sustainability.) 
      Wien, April 1996. (Monographien; Band 73) 
      http://www.ubavie.gv.at/publikationen/Mono/M73z.htm

Quellennachweis

 
© Walter Janka im Auftrag der DSD AG 2001