Sachinformation Nr. 153

 

Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft 
und ländlichen Entwicklung


Nachwachsende Rohstoffe - Pflanzenübersicht

Das Landbauliche Prinzip der Nachhaltigkeit

1. Industriepflanzen als Öl- und Fettlieferanten

Pflanzliche Öle und Fette sind Glycerin-Fettsäureester-Gemische, deren Eigenschaften vom Fettsäureanteil bestimmt werden. Ein hoher Anteil an gesättigter Fettsäure bedeutet Bildung fester Fette, ungesättigte Fettsäuren führen zum Absinken des Schmelzpunktes, so dass Öle entstehen.

Besondere und spezielle Anforderungen an die Ölqualität lassen sich durch züchterische Maßnahmen erzielen.

In Deutschland werden Öle und Fette vor allem aus Raps, Öllein und Sonnenblumen hergestellt.

Nach dem Pressen und der Extraktion der Ölsaaten entstehen in den Ölmühlen Rohöle, die dann durch Raffination weiterverarbeitet werden.

Als Endprodukte können u.a. Schmiermittel, Hydrauliköle, Tenside, Lacke und Farben, Linoleum hergestellt werden.

  Raps Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
  Sonnenblume Familie Compositae (Korbblütler)
Öllein Familie Linaceae (Leinpflanzen)
Rizinus Familie Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse)
Krambe Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
Iberischer Drachenkopf Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Leindotter Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
Soja Familie Leguminosae (Schmetterlingsblütler)
Koriander Familie Umbelliferae (Doldenblütler)
Borretsch Familie Boraginaceae (Rauhblattgewächse)
Nachtkerze Familie Onagraceae
Weißer Senf Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
Sareptasenf Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
Saflor Familie Compositae (Korbblütler)
Silberblatt Familie Cruciferae (Kreuzblütler)

2. Industriepflanzen zur Stärke- und Zuckergewinnung

Kohlenhydrate (Zucker) sind unentbehrliche Energielieferanten im pflanzlichen Stoffwechsel. Stärke ist der wichtigste Reservestoff der Pflanzen und wird bei der Photosynthese gebildet.

In Deutschland wird Zucker nur aus der Zuckerrübe hergestellt, die in Zuckerfabriken nach Extraktions-, Reinigungs- und Konzentrationsvorgängen den Rohzucker liefert.
Stärke aus Kartoffeln, Mais und Weizen ist ein wichtiger Rohstoff der Industrie und wird durch Auswaschen der zermahlenen oder zerkleinerten Ernteprodukte in Stärkefabriken gewonnen.

Aus Zucker können auch Waschmittel, Kosmetik, Kunststoffe und Arzneimittel hergestellt werden. Stärke findet seine Anwendung in der Papierindustrie, als Klebstoff für Tapeten, in der chemischen und Textilindustrie oder als Wäschestärke.

Mais Familie Gramineae (Süßgräßer)
Weizen Familie Gramineae (Süßgräßer)
Kartoffel Familie Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Zuckerrübe Familie Chenopodiaceae (Gänsefußgewächse)
Topinambur Familie Compositae (Korbblütler)
Zichorie Familie Compositae (Korbblütler)
Zuckerhirse Familie Gramineae (Süßgräßer)
Markerbsen Familie Fabaceae (Hülsenfrüchtler)

3. Faserpflanzen

Fasern werden am häufigsten durch Mähen (Raufen) der Pflanzen und  anschließendem Abtrennen der Fasern vom restlichen Gewebe (Schwingen) gewonnen.

In Deutschland haben vor allem Flachs und Hanf eine praktische Bedeutung.

Der Einsatz der Fasern richtet sich nach deren technischen Eigenschaften und erfolgt vorwiegend als Bau- und Dämmstoff, zur Autoverkleidung, als Spezialpapier oder Vlies. 

Flachs Familie Linaceae (Leinpflanzen)
Hanf Familie Moraceae (Maulbeergewächse)
Große Brennnessel Familie Urticaceae (Brennnesselgewächse)
Kenaf Familie Malvaceae (Malvengewächse)
Ramie Familie Urticaceae (Brennnesselgewächse)
Baumwolle Familie Malvaceae (Malvengewächse)
Holz

4. Färberpflanzen

Farbstoffe für den Nichtnahrungsbereich werden in Deutschland aus Färberwaid (blaue Farbwirkung), Färberwau (gelbe Farbwirkung), Krapp (rote Farbwirkung) und Saflor (gelbe und rote Farbwirkung) hergestellt.

Nach Reinigung und Zerkleinerung der Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Stengel, Wurzel) wird der Farbstoff durch Extraktion gewonnen.

Pflanzliche Farbstoffe sind als Mal- und Druckfarben, als Holzschutzmittel oder Textilfärbemittel im Einsatz.

Goldrute Familie Compositae (Korbblütler)
Färberginster Familie Leguminosae (Schmetterlingsblütler)
Krapp Familie Rubiaceae (Rötegewächse)
Färberknöterich Familie Polygonaceae (Knöterichgewächse)
Reseda, Färberwau Familie Resedaceae (Resedagewächse)
Färberhundskamille Familie Compositae (Korbblütler)
Färberwaid Familie Cruciferae (Kreuzblütler)
Färberdistel Familie Compositae (Korbblütler)

5. Arznei- und Gewürzpflanzen

Zwischen 50 und 70 verschiedene Arten werden in Deutschland angebaut. Größere Bedeutung haben gegenwärtig Sonnenhut, Baldrian, Mariendistel und Johanniskraut.

Nach der Pflanzenernte werden verschiedene Aufbereitungsverfahren durchlaufen (Waschen, Trocknen, Zerkleinern). Die Wirkstoffextrakte werden dann mit speziellen Verfahren (Mazeration und Perkolation) aus den Pflanzenteilen gewonnen.

Anwendung finden die gewonnenen Wirkstoffe in Psychopharmaka, Lebertherapeutikum oder Immuntherapeutikum.

Pfefferminze Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Melisse Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Kamille Familie Compositae (Korbblütler)
Lavendel Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Johanniskraut Familie Hypericaceae (Johanniskrautgewächse)
Schöllkraut Familie Papaveraceae (Mohngewächse)
Ringelblume Familie Compositae (Korbblütler)
Ginseng Familie Araliaceae (Araliengewächse)
Salicylweide Familie Salicaceae (Weidengewächse)
Dost/Oregano Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Thymian Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Majoran Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Salbei Familie Lamiaceae (Lippenblütler)
Sonnenhut Familie Compositae (Korbblütler)
Baldrian Familie Valerianaceae (Baldriangewächse)
Kümmel Familie Umbelliferae (Doldenblütler)
Fenchel Familie Umbelliferae (Doldenblütler)
Mariendistel Familie Compositae (Korbblütler)
Mohn Familie Papaveraceae (Mohngewächse)

6. Energiepflanzen

Holz der Pappeln oder Weiden ist zur Zeit der wichtigste Bioenergieträger in Deutschland. Aber auch Stroh oder Massengräser werden zur Strom- und Wärmegewinnung eingesetzt.

Die Gewinnung reicht vom Scheitholz über Holzhackgut bis zu Rest- und Abfallholz der Sägewerke. Neu sind Biomasseheizkraftwerke, die jedoch nur dann einen hohen Wirkungsgrad aufweisen, wenn minimaler Transportaufwand der Rohstoffe gegeben sind und Wärme- und Stromabnehmer zusammen vorhanden sind.

Chinaschilf Familie Gramineae (Süßgräßer)
Riesenschilf Familie Gramineae (Süßgräßer)
Riesenknöterich Familie Polygonaceae (Knöterichgewächse)
Pappel Familie Salicaceae (Weidengewächse)
Weide Familie Salicaceae (Weidengewächse)
Rispenhirse Familie Gramineae (Süßgräßer)
Kolbenhirse Familie Gramineae (Süßgräßer)
Deutsches Weidelgras Familie Gramineae (Süßgräßer)

 


Literatur:

(1) Nachwachsende Rohstoffe - Die Pflanzen, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. auf der BUGA Magdeburg, 1999

(2) Nachwachsende Rohstoffe - Die Verarbeitung, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. auf der BUGA Magdeburg, 1999

(3) Nachwachsende Rohstoffe, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. auf der Agri21Hannover, 2000

 
 
© Andreas Müller Im Auftrag der DSD AG 2001