Sachinformation Nr. 160

 

 

 

 

Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft 
und ländlichen Entwicklung

Konflikte einer modernen Landwirtschaft zu Vorgaben der Agenda 21

Konfliktbeispiel 1:

Umsetzung der Agenda21 durch nachhaltige Landwirtschaft

Im Kapitel 14 "Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung" lassen sich folgende Konflikte ausmachen:

  • 14.1 Die Landwirtschaft muss einerseits den Herausforderungen zur Sicherung der Welternährung durch Steigerung der Produktion auf bereits bewirtschafteten Flächen gerecht werden, soll aber gleichzeitig ein weiteres Ausdehnen auf begrenzt nutzbare Flächen unterlassen.
    In den Entwicklungsländern wird landwirtschaftliche Fläche jedoch häufig durch Brandrodung bereitgestellt.

 

  • 14.6 Für die internationale Realisierung einer nachhaltigen Landwirtschaft und nachhaltigen ländlichen Entwicklung  fehlen einheitliche nationale Rahmenbedingungen.

 

  • 14.7 Durch mangelndes Bewusstsein über verursachte Umweltkosten kann die nachhaltige Entwicklung gefährdet werden. Ebenso fehlt es an ausreichender Fachkompetenz und Erfahrung um die Nachhaltigkeit agrarpolitisch zu verankern.

 

  • 14.16 Um eine breite Basis einzubinden und die Bevölkerung engagiert im Sinne der Agenda zu beteiligen, sind entsprechende Ausbildungskonzepte gefragt. Nur damit lassen sich personell und institutionell Kapazitäten für eine nachhaltige Entwicklung schaffen. Auf nationaler Ebene bietet sich hier die lokale Agenda für eine nachhaltige Entwicklung an.

 

  • 14.25 Durch integrierte Produktions- und Betriebssysteme (z.B. Fruchtfolgen) kann es eine höhere Anfälligkeit gegenüber Umweltbelastungen und Marktschwankungen geben.

 

  • 14.35 Die allmähliche Zerstörung und Degradation der Agrar- und Umweltressourcen stellen ein gravierendes Problem dar, weil viele vorhandene Möglichkeiten nicht effizient und konsequent genutzt werden.
    Es fehlen entscheidungsträchtige Planungsgremien auf  staatlicher und kommunaler Ebene.

 

  • 14.44 Die Ertragskraft großer Landflächen entwickelt sich gegensätzlich abnehmend zu den enorm steigenden Bevölkerungszahlen. Es bedarf also nachhaltiger und langfristiger Bodenerhaltungs- und Sanierungsprogramme.

 

  • 14.54 Die Gefahren für die Sicherung pflanzengenetischer Ressourcen zur Gewährleistung des Nahrungsmittelbedarfes nehmen weiter zu, während für die Erhaltung und Nutzung zu wenig finanzielle Mittel und zu wenig qualifiziertes Personal zur Verfügung.

 

  • 14.84 Für eine Erhöhung der Agrarproduktion auf Böden mit hohem Ertragspotential werden in den Entwicklungsländern gut ausgebildete Arbeitskräfte, Know-How und angepasste Gerätetechnik benötigt.
    Bildungs- und Technologieexport ist eine Möglichkeit, um die erforderlichen 4% Produktionssteigerung für die Nahrungsmittelsicherung einer jährlich um 3% steigenden Bevölkerung zu erreichen

 

Die Beispiele zeigen, dass viele Konfliktpunkte durch geographische Besonderheiten, politische Verhältnisse oder ökonomische Interessen bestehen und dass auf internationaler und nationaler Ebene ein Konsens im Sinne der Agenda21 zwingend erforderlich ist.

 

Konfliktbeispiel 2:

Biotechnologie, Gentechnik und die Moral

Biotechnologie und Gentechnik zählen zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts und sind für eine nachhaltige Landwirtschaft (Kapitel 16 Agenda21) eine zukunftsweisende Perspektive.

Aber gerade hier zeigen sich Konflikte bezüglich der künftigen Nutzung und Anwendungsbereiche auf.

Biotechnologie ist die technische Nutzung lebender Organismen und ihrer Bestandteile.
Beispiel:  Bereits  vor 6000 Jahren wurden im Zweistromland Mikroorganismen zur Herstellung von Bier verwendet oder später mit Hilfe von Hefen Sauerteig hergestellt.

Gentechnik umfasst die Methoden und Verfahren zur Erforschung, Isolierung, Veränderung und Übertragung von Erbmaterial.  

Gentechnisch hergestellte Produkte und gentechnische Verfahren gehören heute bereits zum Alltag. In der Medizin ist die Gentechnik weitestgehend akzeptiert (z.B. in  der Medikamentenherstellung). Gleichzeitig aber ist die Gentechnik in der Pflanzen- und Tierzucht gesellschaftlich stark umstritten. Viele Menschen grausen sich z.B. vor Gensoja und Genmais oder vor transgener Tierzüchtung. Warum?

Das es Menschen gibt, die gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen, ist zu verstehen. Das es notwendig ist, diese Produkte zu kennzeichnen, ist auch zu verstehen. Aber es kann nicht das Ziel sein, vollständig aus der Genforschung auszusteigen, da es eine der möglichen Zukunftsoptionen der Landwirtschaft zerstören würde.

Drei Beispiele, die als Resultate der Gentechnik für eine Problemlösung stehen könnten:

  • Dürretolerantes Getreide

  • Salztolerantes Getreide

  • eine obstbaumähnliche wiederkehrende Reissorte

Dennoch, nicht allein die Ernährung der Menschheit stellt eine Verpflichtung dar, sondern auch der Erhalt der Natur. Deshalb sollte man nicht grundsätzlich alles verurteilen, was zu einer nachhaltigen Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität führen könnte.

 

Gentechnik und Pflanzenzüchtung

Mit der Biotechnologie und Gentechnik wird es möglich, einzelne Erbeigenschaften in Pflanzen innerhalb von Artgrenzen oder darüber hinweg zu übertragen.

Neue Verfahren der Pflanzenzüchtung richten sich u.a. auf die Erforschung pflanzlicher Gene und ihrer Funktion sowie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen um die Ziele 

  • Vermeidung von Ernteverlusten,

  • Ertragssteigerung trotz reduzierter Anbauflächen und 

  • Umweltfreundlichere Anbaumethoden in der Pflanzenzüchtung

zu erreichen.

Gegenüberstellung von Nutzen und Gegenargumenten zur Anwendung der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung:

Nutzen Gegenargument
Einführung biologischer Abwehrstrategien für Nutzpflanzen mögliche Schadwirkung auf Nützlinge
weniger Einsatz von Chemie Verringerung der Sortenvielfalt auf den Äckern
Schutz der Umwelt durch ressourcensparende Produktion Resistenzentwicklung bei Schädlingen
Erweiterung züchterischer Möglichkeiten Auskreuzung neu eingebrachter Gene
  Ökologische Risiken transgener Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe

Während weltweit die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen zwischen 1997 und 1999 verdreifacht (40 Millionen Hektar) wurde, fand in Deutschland kein kommerzieller Anbau dieser Pflanzen statt.
Obwohl als Hauptziel der gentechnischen Veränderungen die Aufwertung ernährungsphysiologischer Eigenschaften  bedeutsamer Kulturpflanzen (Raps, Mais, Kartoffel u.a.) festgeschrieben ist, gibt es nicht wenige Skeptiker, so dass es einer breiten Massenaufklärung bedarf.

 

Gentechnik und Tierzucht

In der landwirtschaftlichen Tierzucht wird das Ziel verfolgt, Tierrassen mit guter Gesundheit und hoher Fleischqualität zu entwickeln.
Aber gerade hier ist der Einsatz der Gentechnik umstritten, da es sich um gentechnische Veränderungen an einem "Lebewesen" handelt.

In der deutschen Landwirtschaft wird vor allem in der Gendiagnostik ein Einsatzbereich gesehen, um die Tierzüchtung sinnvoll zu unterstützen.  So können z.B.  Erbleiden analysiert oder Krankheitserreger früh erkannt werden, um den Tierzüchter vor erheblichen wirtschaftlichen Einbußen zu schützen.

 

Nutzen Gegenargument
Frühzeitige Erkennung von Tierkrankheiten verringert Leiden der Tiere Überschreiten ethischer Grenzen
geringere wirtschaftliche Verluste für den Tierhalter Wegbereitung für Methoden zur genetischen Veränderung von Menschen
zielorientierte Tierzüchtung Einengung der genetischen Vielfalt im Zuchtbestand durch gezielte Auslese gewünschter Merkmale
Möglichkeit verbesserter Verbraucherinformation   

Die in der Agenda21 beschriebenen Ziele zur Steigerung der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen können nur durch die Kombination von moderner Biotechnologie und Gentechnik und den herkömmlichen Züchtungsmethoden erreicht werden.

 

Fazit

Biotechnologie und Gentechnik sind nicht in der Lage, von sich aus alle grundlegenden Umwelt und Entwicklungsprobleme zu lösen, aber sie können als innovativer Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft angesehen werden.

Konflikte entstehen immer dann, wenn unzureichende Informationen vorhanden sind.

Der Vermittlung biotechnologischen Fachwissens in der Grund-, Aus- und Weiterbildung kommt demzufolge eine zunehmende Bedeutung zu.

 

Konfliktbeispiel 3:

Landwirtschaft und Umweltschutz 

Aus den unterschiedlichen Zielvorstellungen von Landwirtschaft und Umweltschutz können sich Konflikte nicht immer vermeiden lassen.

Beispiele:

  • Erneuerbare Energien z.B. durch Windkraftanlagen (Kompromisse mit dem Tierschutz)

  • Landwirtschaft und Tourismus z.B. in den Alpen (Existenz der Bergbauern und Feriengebiet)

  • Technisierung der Landwirtschaft und Bodenschutz

  • Ökologischer Landbau und der Verzicht auf Gentechnik

  • Integrierter Pflanzenbau, wo gilt:  "Chemie als letztes Mittel" 

  


Quellen:

(1) Sciene live - Perspektiven moderner Biotechnologie und Gentechnik, Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2000

(2) Lehrerfortbildung "Gentechnik bei Pflanzen" und "Reproduktions- und Gentechnik bei Tieren", Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart

(3) Standpunkte von Maxeiner und Miersch

(4) Agenda21, Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung
im Juni 1992 in Rio de Janeiro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
© Andreas Müller Im Auftrag der DSD AG 2001